Das Problem mit konventioneller Kosmetik

 

 

Die Plastikflut scheint kein Ende zu nehmen. Neben offensichtlichen Produkten aus Plastik, wie TĂŒten, Strohhalme, elektronische GerĂ€te, gibt es auch jede Menge „verstecktes“ Plastik in und um Produkte, an die man erstmals beim Wort „Plastik“ nicht denkt. Zum Beispiel in unserer Kosmetik. Dabei ist auf den ersten Blick natĂŒrlich klar, dass diese hauptsĂ€chlich in Plastik verpackt sind und es fast unmöglich scheint komplett plastikfreie Ware zu kaufen. Ich war heute in einem Drogeriemarkt auf der Suche nach einer Handcreme, die nicht in der gĂ€ngigen Plastiktube verpackt ist, dieser spezielle Drogeriemarkt hatte keine einzige. Genauso sieht es vermutlich in vielen SchminkschrĂ€nkchen im ganzen Land aus: Rouge, Lidschatten, Wimperntusche, Lippenbalsam, Highlighter, ein einziges Plastikmeer. Und neben dieser offensichtlichen Plastikflut gibt es jede Menge Mikroplastik, das in den Kosmetika steckt, um ihre Konsistenz zu verbessern oder die Haut besser zu reinigen.
Laut einer Studie des Umweltbundesamts von 2015 werden ca. 500 Tonnen primĂ€rer Mikropartikel jĂ€hrlich in Deutschland in kosmetischen Mitteln eingesetzt. „PrimĂ€r“ meint dabei, dass Kunststoffe direkt als Mikropartikel hergestellt und in Kosmetika bewusst wegen ihrer Funktion verwendet werden. FĂŒr den Verbraucher scheint es bei all den Fremdwörtern auf den Packungen schier unmöglich herauszufinden, ob das Produkt tatsĂ€chlich Mikroplastik enthĂ€lt, deswegen hier eine kurze Übersicht ĂŒber die gĂ€ngigen Bezeichnungen (von Codecheck_Mikroplastikstudie_2016):

 

– Polyethylen (PE)
– Polypropylen (PP)
– Polyethylenterephthalat (PET)
– Nylon-12
– Nylon-6
– Polyurethan (PUR)
– Acrylates Copolymer (AC)
– Acrylate Crosspolymer (ACS)
– Polymethyl methacrylate (PMMA)
– Polyacrylate (PA)
– Polystyrene (PS)
– Polyquaternium (P)

 

Informationen ĂŒber die gĂ€ngigsten Kunststoffe findest du auch auf unseren ErklĂ€rvideos.

All diese Kunststoffe sollen zu einer besseren Verwendbarkeit des kosmetischen Produkts fĂŒhren. So enthalten ca. 8% der Make-Up-Artikel Polyethylen, welches die Reinigung verbessern und zu mehr Glanz auf der Haut fĂŒhren soll. Aber ist das wirklich alles notwendig? WĂ€ren all diese Funktionen nicht auch durch natĂŒrliche Stoffe ersetzbar, die unsere Umwelt schonen und aus nachhaltigen Ressourcen gewonnen werden? Laut Vanessa Dilg, wissenschaftliche Leiterin bei Codecheck, lassen sich diese Kunststoffe ohne Probleme durch natĂŒrliche Inhaltsstoffe ersetzen, wie z.B. Sand, Salze, Mais, geschrotete Kerne oder Kreide und Cellulose. Naturkosmetikhersteller verwenden diese schon lange und das mit Erfolg. Ansonsten bleibt dir natĂŒrlich immer die Möglichkeit deine Kosmetik selbst herzustellen, dafĂŒr haben wir dir hier ein paar Tipps und Tricks zusammengestellt, wie du gĂ€ngige Plastikkosmetika ersetzen kannst.

Deutschland, Österreich und die Schweiz scheinen das Problem mit dem Mikroplastik in Kosmetika noch nicht richtig erkannt zu haben. Es gibt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller, ganz oder zumindest teilweise auf Mikroplastik zu verzichten, eine rechtliche Grundlage gibt es dafĂŒr jedoch noch nicht. Codecheck hat in seiner Mikroplastikstudie 2016 einen Vergleich angestellt mit einer von ihnen durchgefĂŒhrten Studie aus 2014. Sie stellten fest, dass zwar das Mikroplastik in Peelings sich verringert hatte, dabei stiegen die Werte bei Make-Up-Produkten jeglicher Art an. Dies zeigt, dass die freiwillige Selbstverpflichtung noch keine richtigen FrĂŒchte getragen hat. Dabei gibt es andere LĂ€nder, die schon frĂŒh das Mikroplastik-Problem erkannt haben. Die USA und Kanada zum Beispiel sind schon einen ganzen Schritt weiter: seit 2017 ist es in den USA illegal Polyethylen in abwaschbaren Kosmetika einzusetzen.

So lange der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika nicht rechtlich geregelt ist, ist es an dir etwas daran zu Ă€ndern. Und du kannst etwas Ă€ndern: werde Mitglied in unserer Community, trage zu einer besseren Zukunft fĂŒr uns alle bei. Außerdem bin ich gespannt zu hören, ob du selbst schon Erfahrungen mit selbstgemachter Kosmetika hast, dann schreibe uns einen Kommentar.

Plastikfreies Make-Up

Plastikfreie Make-Ups sind meist naturkosmetische Schönheitspflegeprodukte, hĂ€ufig vegan und frei von Tierversuchen. Die Verpackungen dieser Produkte zur Schönheitspflege sind so nachhaltig wie möglich produziert. Manche Hersteller verwenden aktuell noch einen minimalen Plastikteil, zum Beispiel im Gewinde. Warum wird es dann empfohlen? Die Hersteller spenden oftmals große Teile ihres Umsatzes  an Tierschutzorganisationen und arbeiten daran, 100 Prozent plastikfreies Make-Up herzustellen.

Finde hier Ideen, wie du deine Schminke selbst herstellen kannst.

Plastikfreier Lidschatten

FĂŒr Lidschatten brauchst du keine große Shoppingtour, schau einfach mal in dein GewĂŒrzregal. Zum Binden von Feuchtigkeit eignet sich Pfeilwurzelmehl, aber du kannst die GewĂŒrze auch einfach so direkt auf’s Auge auftragen. NatĂŒrlich solltest du dabei darauf achten, dass nichts davon direkt in dein Auge gerĂ€t.

Braunton: Kakao
Rot-/ Orange: Rote Bete-Saft gemischt mit Safran, gerne auch etwas Kurkuma, je nach deinem Farbwunsch

Plastikfreies Rouge

Rouge kannst du dir ganz einfach selbst mischen, das meiste davon kannst du sogar in deiner KĂŒche finden.

Braun- und Cremeton: Kakao, Zimt, Ingwer, Muskatnuss
Rotton: Rote Bete-Puder, HibiskusblĂŒten-Puder, Rose-Tonerde, Safran

Stehst du mehr auf cremige Bronzer, kannst du einfach ein paar Tropfen deines Lieblingsaromaöls hinzufĂŒgen.

Plastikfreie Mascara

Wer hÀtte gedacht, dass sich Mascara so einfach herstellen lÀsst.

– 2 Teelöffel Kokosnuss-Öl
– 4 Teelöffel Aloe Vera-Gel
– 1/2 – 1 Bienenwachspellets
– 1-2 Kapseln Aktivkohle (fĂŒr Schwarz) oder Kakao-Pulver (fĂŒr Braun)
– einen sauberen Wimperntusche-BehĂ€lter

ErwĂ€rme bei geringer Hitze das Kokosnuss-Öl, das Aloe-Vera-Gel und das Bienenwachs in einem Topf bis das Wachs komplett geschmolzen ist. Dann gebe die Aktivkohle bzw. das Kakao-Pulver hinzu, vermische alles gut miteinander und nimm es vom Herd. FĂŒlle das Gemisch in eine Butterbrot-PapiertĂŒte, schneide eine untere Ecke der TĂŒte auf und fĂŒlle mit dieser Hilfe die Masse in den Wimperntusche-BehĂ€lter.

Weitere Produkte zur Schönheitspflege

Lippenstifte kannst du in den schönsten Farben finden. Plastikfreien Lippenstift in krÀftigen Farben bekommst du von Axiology. Der Lippenstift ist in recycelten Aluminiumtuben. Besonderen Wert legt Axiology auf ein veganes und sauberes Produkt, das frei von Tierversuchen entwickelt und hergestellt wird.

Lidschatten, Rouges und BĂŒrsten findest du bei Antonym und Elate Cosmetics. Beide stellen sehr schöne Schminke her , allerdings verwendet Antonym zum Verpacken nur leider auch etwas Plastik.

Plastikfreies Make-Up bietet auch Mascara. Sogar auf rein biologischer Basis in NachfĂŒllpackungen auch aus Edelstahl von Kjaer Weis.

Bei Elate Cosmetics bist du als Zero Wastelerin und Zero Wasteler allerdings sehr gut aufgehoben. Den Trend um nachfĂŒllbare Kosmetik haben sie erkannt und auch umgesetzt. In Bambus oder Metall verpackt kann man die Produkte bestellen.