Was passiert mit unserem Müll?

Plastikmüllexport

Plastikmüllexport ist ein Teil des weltweiten Abfallhandels zwischen unterschiedlichen Ländern und beschreibt die kommerzielle Ausfuhr von Müll in ein anderes Land. Dabei werden oft giftige und als Gefahrgut gekennzeichnete Abfälle aus Industrieländern an Entwicklungsländer verkauft. 41,1 Millionen Tonnen Abfall wurden 2018 weltweit in Nicht-EU-Länder exportiert.

Das Problem mit dem Müllexport

Einige Wissenschaftler verweisen auf einen starken Anstieg des Abfallhandels verbunden mit der Verbreitung neoliberaler Wirtschaftspolitik. Demnach würde mit zunehmender Privatisierung auch der Müllexport steigen und dem Land würde damit die Chance geboten werden, an internationalen Handelsmärkten teilzunehmen. Durch Recycling der teils stark giftigen Stoffe, sollen Länder mit einer schwachen Infrastruktur und geringem Wohlstand ihre Gewinne steigern und die Wirtschaft damit in Schwung bringen. Tatsächlich ist der internationale Handel mit Müll ein Milliardengeschäft. Doch die Folgen sind verheerend! Mit einer steigenden Konzentration, insbesondere durch Plastikmüll, wird ein starker Anstieg der Todesrate von Vögeln, Fischen und anderen Wildtieren beobachtet. Durch die teils fraglichen Entsorgungsmethoden der Entwicklungsländer wird dort die Bevölkerung einer enorm hohen Konzentration an giftigen Chemikalien ausgesetzt. Arbeiter in den Verwertungsstätten tragen dabei oftmals auch nur wenig bis gar keine Schutzkleidung und sind, wie die Umwelt auch, den Giftstoffen ausgesetzt. Die Folgen sind ein Anstieg der an Krebs erkrankten Menschen, ebenso wie eine Zunahme von Diabeteserkrankungen, hormonellen Störungen die zur Impotenz führen können, Leber- sowie Nierenschäden, Knochenerkrankungen und vielen anderen tödlichen Krankheiten.

Leider ist die Regulierung des globalen Abfallhandels schwierig. Durch die riesigen Mengen und die Abhängigkeiten untereinander ist es bisher nicht effizient gelungen, Gesetzte durchzubringen, die einen verantwortungsvollen Umgang garantieren. Durch das Basler Abkommen wurde 1992 der bisher beste Versuch unternommen.

Allerdings gibt es selbst heute noch einige Lücken, die es Firmen ermöglichen, ihren Giftmüll in Entwicklungsländer zu exportieren.

Müllexport und Recycling

Müll gilt als recycelt, wenn er auch exportiert wird! So konnte Deutschland jahrelang Tonnen an unreinem Kunststoff problemlos nach China verkaufen. Wo der ganze Müll schlussendlich landet, wird leider nicht ausreichend kontrolliert. So passiert es, dass ein Großteil des Mülls, nicht wie angedacht, wiederverwertet wird, sondern entweder unter Freisetzung lebensbedrohlicher Chemikalien verbrannt oder einfach nur auf gigantischen Müllbergen gesammelt wird. Man geht davon aus, dass drei Viertel des chinesischen Plastikmülls nicht ausreichend verarbeitet werden und auf illegalen Deponien landen. So konnte auch ein riesiger Schwarzmarkt für die illegale Enstorgung entstehen. Es sollen bis zu fünf Millionen Müllsammler aktiv daran mitwirken, mit den Unmengen an nicht verwertbarem Plastik umzugehen.

China hat bis zum Jahr 2018 knapp die Hälfte aller EU-Müllexporte aufgekauft. Das waren alleine 2017 mehr als 340.000 Tonnen Kunststoffabfälle nur aus Deutschland! Im Jahre 2016 waren es noch 850.000 Tonnen. Mit dem Inkrafttreten der Regulierung wurde der Import von 24 Abfallarten verboten. Darunter sind gemischte und unsortierte Kunststoffabfälle.

 

Was ist das Problem am Recycling von Plastikmüllexporten?

Kunststoff- und Plastikabfälle werden in zwei Kategorien unterteilt, deren Entstehung und Reinheit in saubere, sortenreine und vermischte Abfälle. Davon ist auch die Verwertung abhängig. Reine Kunststoffe können am leichtesten wiederverwertet werden. Bei vermischten Kunststoffen ist eine Trennung zur Wiederverwertung meist nicht möglich. Knapp ein Drittel wird demnach energetisch verwertet, also verbrannt. Nur 18 Prozent können stofflich wiederverwertet werden.

Warum wird Plastik exportiert ?

Unreine Kunststoffe können nicht wirtschaftlich recycelt werden und werden so an andere Länder verkauft, die sich daraus einen Profit erhoffen. Hierbei geht es nicht etwa um ein paar Tausend Euro, China importierte im Jahr 2016 Kunststoffmüll im Wert von 3,7 Milliarden US Dollar.

Und genau davon möchten nun die neuen Abnehmer der Müllexportindustrie profitieren. Man kann sich an der Stelle berechtigt fragen, wie das vonstatten gehen soll, wenn selbst eine Weltmacht wie China nicht mit den gigantischen Tonnen fertig werden konnte. Was bringen all die Milliarden an wirtschaftlicher Müllmasse, wenn die Folge der lebensbedrohliche Smog der Verbrennungsanlagen ist, die Böden verseucht werden und die Flüsse von Plastik überfüllt sind? Das Geld, was dabei eingenommen wird, reicht nicht ansatzweise, um die Folgeschäden für Mensch und Umwelt einzudämmen.

Von 1988 bis 2016 war Deutschland der viertgrößte Exporteur von Plastikmüll nach China. In den 28 Jahren haben wir circa 18 Millionen Tonnen Kunststoffmüll mit einem Wert von 7 Milliarden Dollar verkauft und Kunststoffe im Wert von 2,3 Milliarden US Dollar importiert. Allerdings wurden in Deutschland nur fast reine Kunststoffe verarbeitet. Vermischte Kunststoffe, mit einem Fremdstoffanteil von mittlerweile 5 bis 10 Prozent, verkaufen wir aus Deutschland in umliegende Länder wie Bulgarien, Polen oder Rumänien. Dort wird der Müll dann unter anderen Vorschriften und einem deutlich niedrigeren Lohnniveau weiter getrennt.

 

Was passiert mit dem Müll, der nicht exportiert werden kann?

In den meisten Fällen werden diese Kunststoffe, da sie nicht wirtschaftlich getrennt werden können, thermisch verwertet. Was soviel heißt, dass die Kunststoffe mit dem Ziel, möglichst viel Energie zu erzeugen, verbrannt werden. Eine Deponierung dieser Kunsstoffe ist seit dem Jahr 2005, mit dem Inkrafttreten der Abfallablagerungsverordnung, nicht mehr erlaubt. Der Grund dafür ist, dass seitdem nur noch inerte Kunststoffe (Stoffe, die nicht mit anderen Stoffen zusammen bei der Verbrennung reagieren), mit einem Glühverlust von unter 5 Prozent des Gewichts, deponiert werden.

Warum wird so wenig recycelt?

Gerade einmal 9 Prozent aller Kunststoffe, die bisher weltweit produziert wurden, sind Teil des Wiederverwertungsprozesses geworden. Das ist erschreckend wenig und überrascht, auch wenn man bedenkt, dass wir doch darauf vertrauen, dass der Grüne Punkt recycelt. Der Grund ist, dass die wirtschaftliche Wiederverwendung, bei niedrigen Erdölpreisen, einfach nicht gewinnbringend ist. Sobald die Kosten für Recycling die Kosten der Neuherstellung übersteigen, wird lieber verbrannt und exportiert. Es gibt sicher auch vereinzelt Ausnahmen, doch sollte es, wenn überhaupt, die Ausnahme sein, etwas nicht wiederzuverwerten.

Wer hat Schuld am Müllproblem?

An dieser Stelle wäre es sehr leicht, auf Industrie und Politik zu zeigen und sich in Unschuld badend zurückzulehnen. Die harte Wahrheit ist, wenn wir als Konsumenten alles so billig wie möglich kaufen wollen, können wir nur schwer erwarten, dass dies dann auch umweltgerecht vonstatten geht. Durch unseren Just-in-time Konsum fordern wir nichts anderes von der Wirtschaft. Jeder industriell betriebene Zweig muss, um bestehen zu können, Gewinne erzielen. So wird dann bei der Verpackung jeglicher rechtlicher Rahmen soweit ausgenutzt, dass es zu einem Gewinn kommt. An der Stelle kann die Politik auch nicht viel ausrichten. Wenn zu schnell zu starke Forderungen an die Industrie gestelllt werden und diese von heute auf morgen kein Plastik mehr für Verpackungen verwenden darf, kostet das wiederum Arbeitsplätze, da Kosten eingespart werden müssen. Das führt dann bundesweit zu einem geringeren Pro-Kopf-Einkommen und der Kreis schließt sich. Doch wenn wir als Konsumenten dazu bereit sind, etwas mehr zu bezahlen und auch ein Zeichen setzen, indem wir keine plastikenthaltenden Dinge mehr kaufen, können wir viel mehr bewirken, als alle sonstigen Maßnahmen. Die Macht der Masse, unsere Macht als ganz normale Menschen und Konsumenten, wird leider viel zu sehr unterschätzt. Unsere Stärke beginnt mit dir als einzelner Mensch und steigt weit über die Kraft der Masse als Gemeinschaft hinaus. Zusammen können wir mehr bewirken, als alleine und gemeinsam können wir es schaffen, unsere Welt lebenswert zu halten, für uns als Menschen und alle Lebewesen auf dem Planeten.

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